Ein Blick auf's Handy - und die Übelkeit ist weg!!

Tipps vom HNO-Arzt gegen Schwindel und Reisekrankheit

Ist Ihnen das auch schon passiert? Auf der Leinwand eine wilde Verfolgungsjagd – und das so rasant, dass Ihnen im Kinosessel schwindlig und übel wird? HNO-Ärzte nennen dieses Gefühl „Cinema Sickness“. Das einfachste Gegenmittel: Ein Blick aufs Handy, möglichst konzentriert – und Schwindel samt Übelkeit sind weg.

Professor Frank Schmäl erklärt: „Entscheidend ist in dieser Situation der Blick auf einen unbeweglichen Gegenstand, so dass das Auge die gleiche Information ans Gehirn meldet wie das Gleichgewichtsorgan. Es dürfen nicht zwei oder mehr Sinneseindrücke entstehen, die einander widersprechen“, so der Oberarzt der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Münster.

Ein solcher Konflikt zwischen zwei oder mehr Sinneseindrücken kann der Auslöser für eine ganze Reihe von so genannten Missempfindungen sein. Dem einen wird schwindlig oder übel bis zum Erbrechen, andere fühlen sich matt, atmen schneller oder sind schweißgebadet. „Ich habe die Reisekrankheit“, sagen viele Menschen. Sie fühlen sich unwohl, wenn sie im Zug entgegen der Fahrtrichtung oder im Auto auf der Rückbank sitzen, ohne den Straßenverlauf zu sehen.

Professor Schmäl: „Das geschieht oft, aber es handelt sich um kein Krankheitsbild, sondern um individuelle Schwierigkeiten in der zentralen Verarbeitung der Reize. Manchen Leuten wird sogar schon schlecht, wenn sie am PC-Bildschirm eine Tabelle schnell von oben nach unten scrollen.“ Schwindel wie dieser, der nur kurzzeitig anhält, ist kein Grund zur Sorge. Als wirkliche Krankheit gilt Schwindel, wenn er wiederholt auftritt – auch nur für Sekunden – oder aber, wenn er dauerhaft anhält über Minuten oder gar Stunden etwa.

Fühlen Sie sich nachts oder morgens bei kurzen Bewegungen so, als würden Sie gleich aus dem Bett fallen, könnte ein „Tsunami im Bogengang des Gleichgewichtsorgans“ der Grund sein. Was dramatisch klingt, ist tatsächlich ganz ungefährlich: Im Gleichgewichtsorgan des Innenohr lösen sich kleine Kalkkristalle – die so genannten Otolithen. Schwimmen sie in der Innenohrflüssigkeit fälschlicherweise in einen Bogengang, lösen sie dort bei bestimmten Bewegungen Drehschwindelattacken aus – einen so genannten „gutartigen Lagerungsschwindel“.

Professor Schmäl: „Jeder dritte Mensch im Alter unter 70 leidet einmal im Leben an dieser Erkrankung.“

Durch spezielle Übungen (sog. Befreiungsmanöver) beim HNO-Arzt verschwinden die Beschwerden meist schnell ganz ohne Medikamente, in Ausnahmefällen kann es auch mehrere Wochen dauern.

Plötzlich auftretende Schwindelattacken können aber auch einen ernsteren Hintergrund haben Die Beschreibungen der Patienten bei der Krankheit „Morbus Menière“ klingen oft so: Die meisten sagen, sie hätten erst einen Druck im Ohr gespürt, dann sei eine Hörminderung mit starkem Schwindel und Erbrechen aufgetreten. „Passiert das mitten auf der Straße, denken Menschen in der Nähe oft, der Patient wäre betrunken oder hätte einen Schlaganfall. „Morbus Menière“ ist aber eine Erkrankung des Innenohrs mit plötzlich, anfallartig auftretendem Drehschwindel, begleitet von Druckgefühl, Ohrrauschen und Hörminderung auf einem Ohr“, erklärt Professor Schmäl. Wie bei Epileptikern kehren die Anfälle meist wieder und können bis zur Berufsunfähigkeit führen: „Denken Sie nur an Bus- oder Lkw-Fahrer oder Piloten.“ Professor Schmäl weiter: „Der Leidensdruck der Patienten ist sehr hoch.“ Langfristig besteht aber aufgrund verschiedener Therapieansätze Hoffnung und die Drehschwindelattacken können sich im Laufe der Jahre auch wieder bessern. Bis dahin gilt es, sich nicht von der Krankheit beherrschen zu lassen – eine Aufgabe, die intensive ärztliche Behandlung und Begleitung erfordert.

Fünf Tipps gegen Schwindel vom Berufsverband der HNO-Ärzte. Professor Frank Schmäl rät:

Schauen Sie bei Übelkeit im Kino konzentriert aufs Handy oder einen anderen unbewegten Gegenstand.

Wird Ihnen in Auto, Bahn, Flugzeug oder auf dem Schiff schwindlig oder schlecht, halten Sie den Kopf ganz ruhig und pressen sich an die Rückenlehne, falls diese nicht vibriert.

Setzen Sie sich so, dass Sie die Fahrbahn oder Schienen, wenn möglich, durch einen „Geradeausblick“ einsehen können. Vermeiden Sie Blicke aus dem Seitenfenster!

Finger weg vom Alkohol, wenn Ihnen auf Reisen leicht schwindlig oder übel wird. Alkohol verstärkt die Beschwerden nur weiter.

Suchen Sie generell den Arzt auf, wenn bei Ihnen Schwindel ohne offensichtlichen Grund wiederholt auftritt oder länger anhält .

 

Dr. med. Kai Lehnerdt


Dr. med. Kai Lehnerdt

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